gemerkt "Ich hasse Hausarbeit! Man macht die Betten, man macht den Abwasch - und ein halbes Jahr später fängt man wieder ganz von vorne an." (Joan Rivers)



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on my desk 30.11.2008

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vom erben - ode an die eltern

gestern nachmittag kamen wir in munterer freundinnenrunde kurz auf das thema "erben" zu sprechen; die gartenfreundin hatte nämlich nach fast zwei jahren endlich das elternhaus ihres gatten zu einem schnäppchenpreis veräußern können und war entspannt und gut gelaunt.

bei dieser gelegenheit outete sich freundin2, die sich sowohl von seiten ihrer eltern, als auch der schwiegereltern später mal eine namhafte summe erhofft. vor allem von ihren eltern, die wohl seinerzeit ebenfalls geerbt und dadurch einen guten start ins leben gehabt hätten. ausserdem hätten beide immer gearbeitet und kassierten jeweils eine dicke beamtenpension.

umso erstaunter war sie, als ich sagte, dass ich nichts erben möchte. im gegenteil. ich wäre froh und glücklich, wenn meine eltern ihr sauer erarbeitetes, erspartes frohen herzens auf den kopf hauen und sich einen lustigen lebensabend gestalten würden.

meine eltern hatten nämlich keinen so guten start ins leben. beide anfang der 40er geboren, die väter im krieg gefallen. mit 18 bzw. 20 geheiratet und das erste kind (ich), dann im zweijahresryhtmus meine lieben brüder bekommen. mein vater hatte eine ausbildung zum klempner und installateur gemacht, meine mutter lernte verkäuferin in einem milchwarenladen.

bis zu meinem 6. lebensjahr lebten wir in einer zwei-zimmer-wohnung auf dem dorfe. keine heizung, kein bad; nur ein plumpsklo auf dem hof (in dem ich fast einmal ertrunken wäre - aber das ist eine andere (eklige) geschichte). wir schliefen zu fünft in einem kleinen schlafzimmer, an dessen scheiben sich im winter wunderschöne eisblumen bildeten. die stube grenzte an die küche und wurde durch den grossen kohlenherd mitgeheizt.

mein vater hatte das glück, und konnte im 50 km entfernten werk eines grossen automobilherstellers als versuchsfahrer arbeiten. drei-schicht-system. annähernd 15 jahre lang, bis er irgendwann als facharbeiter in der forschung und entwicklung an einem prüfstand landete. und wenn er nicht gerade auf der arbeit war, dann half er in der nachbarschaft, bäder und heizungen einzubauen. jede mark war nötig, denn er musste steine, fenster und türen kaufen, um für seine familie ein haus zu bauen.

nach zwei jahren hatten es meine eltern geschafft und wir konnten in unser haus einziehen. endlich ein bad mit fliessend warmem wasser und einem wc. welch ein luxus.

weil meine mutter nur wenig bildung genossen hatte und sie uns in der schule unterstützen wollte, besuchte sie jahrelang deutsch- und englischkurse an der volkshochschule. sie beackerte zwei grosse schrebergärten, damit wir frisches obst und gemüse bekamen. ich erinnere mich daran, dass es immer selbstgemachten stachelbeer- oder rhabarbersaft gab. köstlich. zum ende des sommers war unser keller voll mit einmachgläsern, saftflaschen und marmeladen.

meine geschwister und ich, wir haben alle abitur gemacht und studiert - meine brüder sogar mit abschluss, diplom und allem pipapo. selbst aus mir ist - allen unkenrufen zum trotz - auch was geworden. zeitweise habe ich sogar doppel und dreifach soviel verdient, wie meine akademisch gebildeten brüder (das geht auch nur in der werbung).

meine mutter war zwei jahre jünger als ich HEUTE bin, als der erste enkel kam. und natürlich kümmerten sie sich hingebungs- und liebevoll, wenn "not am manne" war. mein vater, der früher immer irgendwo gearbeitet hat und - ausser im urlaub - kaum zeit für uns hatte, schuf für seine enkel ein paradies. da wurde ein bollerwagen gebaut, eine grosse sandkiste und ein wunderbares, gigantisches baumhaus.

seit ungefähr sechs jahren ist mein vater im ruhestand. hat jetzt endlich zeit, die dinge zu tun, die er immer gern machen wollte. er ist in der "richtigen" partei engagiert und organisiert die "seniorenarbeit" in seiner kleinstadt. er fährt jetzt nur noch drei vormittage die woche ins büro, anstatt jeden wochentag ;o). auch meine mutter hat sich jahrelang für die altenbetreuung ihres heimatdorfes den a**** aufgerissen; reisen, ausflüge, vorträge, nachmittage organisiert.

wann immer bei einem ihrer kinder eine grössere baumaßnahme ansteht - sei es die renovierung eines bades, der bau eines hauses oder der ausbau eines dachgeschosses - meine eltern sind zur stelle. mitunter renovieren sie sogar in abwesenheit der kinder ganze räume und putzen die wohnung von oben bis unten *hust*

meine eltern sind jetzt beide so mitte sechzig, rüstig, rege und aktiv. mit glück haben sie noch etliche agile jahre vor sich.

"wir wollen euch was ordentliches hinterlassen - euch soll es mal besser gehen, als uns" - haben sie immer gesagt. aber weil es uns allen heute schon besser geht, als es ihnen jemals ging, animieren wir sie, ihr erspartes ruhig auszugeben. sie sollen reisen, sich ihr "traumauto" leisten, in fussballstadien gehen und namhafte spiele sehen oder auf der schönheitsfarm entspannen.

das beste und wichtigste haben sie uns nämlich schon gegeben: eine herzliche familie, auf die allezeit verlass ist. eine gute bildung, mut und vertrauen. liebe.

ich hoffe, dass sie noch lange leben, ihr geld verjuxen und am ende zurückblicken können ohne das gefühl haben, etwas verpasst zu haben. sie sind die besten eltern der welt und ich möchte - bitte, bitte - nicht erben! danke.
29.8.08 10:35
 



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